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[Gelesen] Donna Freitas - Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Eulenpost(s): [Gelesen] Donna Freitas - Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Samstag, 25. August 2012

[Gelesen] Donna Freitas - Wie viel Leben passt in eine Tüte?

Dank lovelybooks bekam ich eines der Rezensionsexemplare zu Donna Freitas ersten Jugendroman in deutscher Übersetzung.

S7300121



Verlag: Gabriel Verlag/Thienemann Verlag
Seiten: 397
Preis: 18,95 Euro
erscheint am 27.8.2012 bei amazon (habs aber schon im Buchhandel gesehen)

Genre: Jugendbuch, Sterben, Trauer, Familie











Inhalt: Nach der Beerdigung ihrer Mutter entdeckt Rose eine braune Tüte mit der Aufschrift "Roses Survival Kit". Es ist ein Geschenk ihrer Mutter, das Rose bei ihrer Trauer helfen soll. Merkwürdigerweise führt sie jeder Gegenstand zum Nachbarsjungen Will. Was ihre Mutter ihr damit wohl sagen wollte?

Meine Erwartungen: Nach der Leseprobe wollte ich mich gerne für ein Rezensionsexemplar und die damit verbundene Leserunde auf lovelybooks.de bewerben. Denn schon die ersten Seiten berührten mich. So erhoffte ich mir einen gefühlvollen, aber nicht zu traurigen Roman, der von Roses Trauer und ihrem Neubeginn erzählt.

Fazit: Ein wirklich schöner, ruhiger, berührender Roman!

Der Roman ist in mehrere Abschnitte, entsprechend den Dingen im Survival Kit, eingeteilt. Über jedem Kapitel findet sich ein Songtitel, der zum darauf folgenden Inhalt passt. Diese Aufteilung hat mir wirklich gut gefallen, wenngleich nicht jeder Gegenstand aus der Tüte gleichviel Raum gegeben wird. Doch selbst die Songtitel haben eine Bedeutung für die Handlung und sind nicht nur ein schlichtes Gestaltungselement der Autorin. Das hat sie wirklich sehr schön gelöst, es rundet den Roman noch einmal ab.
Denn manchmal muss man für die kleinen Dinge dankbar sein, wenn einen die großen Dinge zu erdrücken scheinen.
Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit. So hat Donna Freitas' Mutter selbst immer Survival Kits gebastelt und aus der Widmung lässt sich vermuten, dass die Mutter leider auch verstorben ist. Letztendlich fühlte sich Donna Freitas zu ihrem Roman inspiriert.
Die Geschichte handelt von Rose, einem gerade 17 jährigen Mädchen, dass ihre Mutter an den Krebs verloren hat. Zwar findet Rose ihr Surival Kit gleich am Tag der Beerdigung, aber sie ist noch nicht dazu fähig, sich mit den einzelnen Dingen zu beschäftigen. So erzählt der Roman zunächst, welche Auswirkungen Roses Trauer auf ihr Leben hat, auf ihre Beziehung zu Chris, auf ihre Familie. Wenn sie dann beginnt, sich nach und nach einem Gegenstand aus der Tüte zu widmen, lernt sie nicht nur sich selbst besser kennen und verarbeitet ihre Trauer, auch der Nachbarsjunge Will gerät in ihr Blickfeld. Zwischen den beiden entwickelt sich bald eine Freundschaft, denn sie teilen das gleiche Schicksal: Will hat seinen Vater verloren.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Rose erzählt. So bekommt man einen direkten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Für mich war sie eine typische Jugendliche: manchmal sehr störrisch, ichbezogen und natürlich sehr emotional. So ist sie in ihren Tiefpunkten absolut nicht in der Lage, sich auf andere Menschen und deren Gefühle einzulassen oder ihren Alltag zu bewältigen. Das passt aber sehr gut zu ihrer Trauer. So wirkt ihr Verhalten meistens sehr stimmig und immer authentisch. An zwei, drei Stellen konnte ich ihre Aktionen nicht nachvollziehen, aber das in der Handlung insgesamt nicht gestört.
Auch die Nebenfiguren wie ihre Familie und ihre Freunde sind alle sehr rund gezeichnet, handeln im Rahmen ihrer Charakterzeichnung sehr authentisch und stimmig. Besonders hervorheben möchte ich hier Roses beste Freundin Krupa: sie ist eine sehr starke, lebensbejahende und verständnisvolle Freundin. Sie bringt vor allem zu Beginn des Romans den nötigen Schwung und Freude in die Geschichte. Dank ihr kann der Leser auch mehrmals lächeln.
Insgesamt hat mir der Roman richtig gut gefallen. Trotz der vielen Seiten habe ich ihn sehr schnell durchgelesen. Dies liegt nicht zuletzt auch an Freitas' Schreibstil: er ist zwar jugendlich, aber nicht umgangssprachlich. Dadurch aber leicht zu lesen, authentisch, direkt und rührt die richtigen Emotionen des Lesers an. Auch der Spannungsbogen der Handlung ist wirklich schön gestaltet, so dass ich immer weiterlesen wollte, um zu erfahren, wie Rose ihr Leben ohne ihre Mutter meistert. Donna Freitas erzählt nicht nur, wie Rose ihre Trauer verarbeitet. Sie zeigt auch, wie schwer ein Neubeginn nach einem so großen Verlust ist. Dabei beschäftigt sie sich mit allen Facetten des Lebens. So versteht der Leser, dass für Rose nicht einfach eine Lücke entsteht, dort wo ihre Mutter einmal war, sondern jeder Teil ihres Lebens ist davon betroffen.
Wie kommt es nur, dass uns, wenn wir etwas Wichtiges verlieren, auch noch alles andere entgleitet?
Dadurch wird der Roman wirklich in sich stimmig und sehr schön rund. Eben weil Donna Freitas an alles gedacht hat. Mein einziger Kritikpunkt war, dass manchen Dingen aus der Tüte sehr wenig Raum gewährt wurde. Auch rutschte der Fokus der Geschichte sehr oft weg von der Tüte und hin zu den zwischenmenschlichen Beziehungen von Rose zu Will, Chris und ihrer Familie. Das fand ich etwas schade. So blieben für mich einige Fragen offen und das Survival Kit war wohl eher nur der Ausgangspunkt für diesen Jugendroman und nicht sein eigentlicher Bestandteil.
Nichtsdestotrotz gelang es Donna Freitas mich (und wie ich aus der Leserunde entnehmen konnte auch alle anderen) zu fesseln und zu berühren. Und das ist die Hauptsache. Dieser Roman regt zum Nachdenken an, lässt dich schmunzeln oder auch mal ein bisschen wehmütig und traurig werden.  Wäre Wie viel Leben passt in eine Tüte? ein Film würde ich es als Jugenddrama bezeichnen. Überhaupt lässt sich der Roman wirklich gut verfilmen!
Wenn ihr euch also sowieso schon überlegt hattet, diesen Roman zu lesen, dann kann ich nur sagen: ja, tut es! Er ist wirklich ein Herzstück.

5Eulen

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1 Kommentare:

Am/um 31. August 2012 um 22:45 , Blogger Petzi meinte...

Hallo Melissa,
danke für den Besuch auf meinem Blog. Kannte deinen noch gar nicht und bin natürlich gleich mal Leser geworden (der 99ste :D). Sehr, sehr schöne Rezension, die mir jetzt noch mehr Lust auf das Buch macht. Ich will es unbedingt :D
Habe gerade auch gesehen, dass du "Nachricht von dir" liest und bin gespannt wie es dir gefällt. Mir hat es nämlich nicht so zugesagt wie Mussos andere Bücher (bzw. das eine andere, das ich bisher gelesen habe).
Liebe Grüße
Petzi

 

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