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[Gedanken über] … Autoren und ihre Romane

Eulenpost(s): [Gedanken über] … Autoren und ihre Romane

Donnerstag, 3. April 2014

[Gedanken über] … Autoren und ihre Romane

Ich hatte es in meiner Review zu Rubinrot ja schon angemerkt und jetzt endlich komme ich auch dazu, meine Gedanken darzustellen.

Vorweg möchte ich aber eines festhalten, das mir wirklich wichtig ist: es geht mir nicht darum, einen Autoren schlecht zu machen oder ihm böse Dinge zu unterstellen. Als Literaturwissenschaftlerin vergleiche ich ganz automatische die Werke eines Autoren miteinander, ohne dabei gleich eine Wertung vor zu nehmen. Nun möchte ich also meine Eindrücke und würde mich über eure Meinung dazu freuen.

Ich habe über Weihnachten den Roman Silber von Kerstin Gier gelesen und fand ihn, mit Abstrichen, wirklich gut. Für mich war es zwar offensichtlich ein “Auftakt”-Buch zu einem Mehrteiler, dennoch waren mir die Figuren sympathisch, die Handlung interessant. Das große Plus bei Kerstin Gier ist –für mich- ihr Schreibstil: locker, jugendlich, humorvoll, leicht zu lesen. So fliegen die Seiten schnell vorüber.
Dann habe ich mir vor einiger Zeit den Film Rubinrot angesehen. Er basiert auf dem ersten Band der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, werde es in nächster Zeit auch nicht zwingend tun. Denn die Konzeption finde ich zwar interessant, aber nicht so fesselnd, als dass ich sofort zum Buch greifen müsste.

Dennoch habe ich schon zu Beginn des Films gestutzt. Die Hauptfigur Gwen erinnerte mich doch stark an die Hauptfigur aus Silber, an Liv. Als erste, banale Gemeinsamkeit: beide lassen sich nur mit einer Kurzform ihres eigentlichen Vornamens rufen. Doch auch ihre Charaktere ähneln sich: beide sind tollpatschig, vorlaut, hinterfragen die Dinge mehr als andere und beide sind etwa 16 Jahre alt. Zudem scheinen sie in ihrem Umfeld bzw. in ihrer Altersgruppe (in der Schule o.ä.) so etwas wie Außenseiter zu sein. Liv durch die Tatsache, dass sie ständig den Wohnort gewechselt hat und Gwen, weil sie zum einen zu einer wohlhabenderen Familie gehört und zum anderen ist sie in der Familie so etwas wie das schwarze Schaf.

Auch in der Familie lassen sich Ähnlichkeiten finden: in beiden Welten gibt es keinen Vater, der eine nennenswerten Rolle in der Handlung spielt. Beide haben eine eher ungewöhnliche Mutter: bei Gwen ist die Mutter eine “Andersdenkende” in der Familie, bei Liv ist die Mutter verstreut, sprunghaft und teilweise egoistisch.

Kommen wir zum Schluss zur Handlung. Sicherlich ist die Grundidee eine andere und es geht auch grundsätzlich um unterschiedliche Dinge. Aber: in beiden Fällen stolpern die Figuren in eine andere Welt (bei Liv in eine Traumwelt, bei Gwen in eine Zeitreise-Welt), von der sie bislang nicht viel wussten. In beiden Fällen werden sie gewarnt, bestimmten Leuten nicht zu vertrauen, da diese vermeintlich gefährliche Pläne haben. Und in beiden Fällen machen die Mädchen erst einmal mit, bis sie anfangen, alles zu hinterfragen.

Das ist jetzt nur eine schnelle und vielleicht eher oberflächliche Betrachtung. Zumal ich hier zwei unterschiedliche Medien vergleiche: Buch und Film. Dennoch finde ich diese Vergleiche sehr interessant. Ich habe die Vermutung, dass Teile davon Aspekte sind, die ein Buch für Jugendliche interessanter macht, die Empathie weckt. Zum Beispiel die Figuren und ihre Familien. Es sind sympathische Charaktere, mit denen man sich leicht identifizieren kann bzw. die man vielleicht gerne als beste Freundin hätte. Auch der Aufbau der Handlung ist recht klassisch. So erzeugt man Spannung und es wirkt zugleich relativ natürlich. (Relativ deshalb, weil ich mich bei beiden Welten daran gestört habe, dass die Mädchen einfach erst einmal mitmachen und später das Denken anfangen…)

Wie gesagt: es ist eine sachliche Beobachtung, keine Wertung. Vor allem keine negative. Es gibt sicherlich noch ein paar andere Autoren, bei denen sich solche Beobachtungen anstellen ließen. Nora Roberts fällt mir da spontan ein.

Was sagt ihr dazu? Habt ihr ähnliches auch schon einmal beobachtet? Stimmt ihr mir zu oder seid ihr ganz anderer Meinung?

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9 Kommentare:

Am/um 3. April 2014 um 09:28 , Blogger real-booklover meinte...

Du hast ja total recht!

Ich hatte da vorher nicht drüber nachgedacht, aber jetzt wo ich deinen Gedanken dazu lese, muss ich auch alles näher durchleuchten und: ES STIMMT! Die beiden ähneln sich total.

Gwen und Liv könnten problemlos ein Austauschjahr in dem jeweils anderen Buch machen. Es würde nicht auffallen (bis auf die Namen halt).

 
Am/um 3. April 2014 um 09:29 , Blogger Hanne von BookLounge meinte...

Liebe Melissa, ich habe mit Interesse deinen Bericht gelesen. Spontan fällt mir jetzt kein Autor ein, wo ich etwas dazu schreiben könne. Aber mit etwas mehr Ruhe und Stöbern durch meine Bücher wird das auf jeden Fall auch auf so etwas hinauslaufen wie du beschrieben.
Und eine Negativbewertung ist es auf keinen Fall. Genau solche Betrachtungen sollte man öfters vornehmen.
LG HANNE

 
Am/um 3. April 2014 um 13:54 , Blogger Julia meinte...

Gut zu wissen, dass die Ähnlichkeiten so gross sind! Ich war schon von Gwen nicht so sehr begeistert (bin wohl zu alt, um mich mit naiven Sechzehnjährigen zu identifizieren), in dem Fall muss ich Silber wohl nicht lesen.

Zum Phänomen als solchem fallen mir spontan diverse Romane von Wolfgang und Heike Hohlbein ein. Märchenmond fand ich grossartig, dann kamen Unterland, Spiegelzeit, Der Greif und Dreizehn, die waren alle ganz nett, aber das immergleiche Muster war jedes Mal deutlicher sichtbar. Und nachdem ich bei Katzenwinter fast Kapitel für Kapitel voraussagen konnte, habe ich dann auf weitere Bücher des Erfolgduos verzichtet...

LG, Julia

 
Am/um 3. April 2014 um 17:02 , Blogger Fräncis D meinte...

Hallo,

ich stimme dir voll und ganz zu! Mir ist das bei den Kerstin Gier-Trilogien bisher nicht so aufgefallen, aber dafür umso mehr bei Cassandra Clares Chroniken der Unterwelt und Chroniken der Schattenjäger. Da ähneln sich nicht nur die einzelnen Bände einer Reihe stark vom Aufbau her, sondern es sind auch Unmengen an Parallelen zwischen den Chroniken. Ich muss sagen, dass ich deshalb keine Lust mehr hatte, weiter zu lesen.

Liebe Grüße,
Fraencis

 
Am/um 5. April 2014 um 21:06 , Anonymous RoM meinte...

Grüß Dich, Melissa.
Vermutlich kann man/frau es den Autoren am ehesten nachsehen, wenn sie von sich selbst abschreiben. Vorausgesetzt sie können es gut erzählen. Peinsam wird es nur dann, wenn mit Textblöcken gearbeitet wird, in denen lediglich Namen/Farben/Adjektive ausgewechselt werden. Zumindest beschleicht einen bei manchen ein linder verdacht. Wenn alle 12 Monate ein neuer Ziegelstein zum Verkauf ausliegt. Textblöcke - oder Ghostwriter.

Sicher, eine krasse Vermutung. Und es gibt ja auch Solche, denen eine wiederholende Ähnlichkeit innerhalb verschiedener Bücher zum eigenen Stil glückt.
Vermutlich nur eine Frage des Geschicks.

Abgesehen davon ist Schreiben, wenn es der Lebensunterhalt ist, auch eine Frage von geschriebenen Seiten pro Tag.

bonté

 
Am/um 7. April 2014 um 07:36 , Blogger Melissa G meinte...

Ein Austauschjahr wäre bestimmt witzig :-)

 
Am/um 7. April 2014 um 07:38 , Blogger Melissa G meinte...

Ich würde dir Silber dennoch ans Herz legen, wenn dich die Handlung interessiert. Ich kann es dir auch gerne ausleihen...

Bei Fantasy-Romanen habe ich das schon öfter mal gehört. Hohlbein habe ich selbst nie gelesen, dafür aber meine Schwester. Und mein Bruder berichtete mir das Phänomen mal bei einem anderen Autor.

 
Am/um 7. April 2014 um 07:40 , Blogger Melissa G meinte...

Liebe Fräncis, das klingt aber nicht so toll! Ich hab bisher nur City of Bones gelesen, was mir sehr gut gefiel und der zweite Band steht nun auch hier. Mal sehen, ob ich die Parallelen auch entdecke und wie sehr die mich dann stören...

 
Am/um 7. April 2014 um 07:41 , Blogger Melissa G meinte...

Lieber RoM,
als Abschreiben würde ich es nicht unbedingt bezeichnen. Allerdings scheint es schon so zu sein, das manche Autoren mehrmals auf ein Erfolgskonzept setzen. Ist die Fangemeinde groß genug und deren Kaufbereitschaft ebenfalls, dann wird der Verlag ja schnell befriedigt sein.

 

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