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[Gelesen] David Nicholls - Zwei an einem Tag

Eulenpost(s): [Gelesen] David Nicholls - Zwei an einem Tag

Montag, 7. November 2011

[Gelesen] David Nicholls - Zwei an einem Tag

So, ich habs doch tatsächlich geschafft, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen: Ich habe David Nicholls Zwei an einem Tag letzte Woche durchgelesen. (Okay, die letzten Seiten kamen gestern noch dran...)
Hier habe ich euch von meinem ersten Eindruck erzählt und was der Klappentext verspricht. Deshalb verzichte ich auf eine Inhaltsangabe, die bei diesem Roman auch zugegebenermaßen etwas schwierig wäre. Ich hatte zugegeben, das Buch vor allem wegen des Hinweises auf Nick Hornby gekauft zu haben, weil ich dessen Romane gerne lese. Meiner Ansicht nach haben die beiden Autoren aber nicht unbedingt viel gemeinsam. Aber erstmal der Reihe nach...



Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 544
Preis: 9,99 Euro
Genre: Liebe, Drama
 


Romanaufbau: Der Roman ist in fünf Teile eingeteilt, die jeweils untertitelt sind mit "Anfang zwanzig, Mitte zwanzig, Anfang dreißig..." etc. Jedem Teil ist ein Zitat zugeordnet, das thematisch auf den Abschnitt vorbereitet. Diese fand ich immer sehr schön ausgesucht. Jedes Kapitel hat eine Überschrift, die nicht wirklich wichtig ist, eine Datumsangabe und eine Ortsangabe. Letztere soll wohl auch der Orientierung dienen, mich verwirrte es nur. Denn abgesehen vom Kennenlernort spielt kein Schauplatz eine symbolische Rolle, geschweige dass sich die Plätze wiederholen. Meine erste Vermutung, dass es (zuviel) Wörtliche Rede gibt, konnte sich nicht erhärten. Natürlich reden die Protagonisten viel miteinander, aber was tatsächlich mehr dominiert, ist die Innere Rede/Gedankengänge der zwei Hauptpersonen.

Erster Leseeindruck: Der Leser kommt mitten in ein Gespräch von Dexter und Emma hinein. Beide sind Anfang zwanzig, haben ihr Universitätsdiplom bekommen und feiern die neu gewonnene Freiheit. Beide Protagonisten lernt man sofort auf eine sehr intensive Art und Weise kennen, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie beide sehr unterschiedlich sind. Sie wollen auch sehr unterschiedliche Dinge vom Leben. So drängte sich mir bald die Frage auf, wie die beiden um Himmelswillen ernsthaft an einander interessiert sein können. (;o)) Im Gespräch bekommt der Leser auch sofort die Gedanken der beiden mitgeteilt. Im ersten Kapitel sind es vor allem die Gedanken Emmas. Ein Beispiel:
"Was willst du mit 40 sein?" "40?" Auch er hatte Mühe, sich das auszumalen. "Keinen Schimmer. Wie wärs mit 'reich'?" "So was von oberflächlich." "Na gut, dann 'berühmt'." Er knabberte an ihrem Nacken. "Etwas morbide, die Vorstellung, oderß" "Nicht morbide, es ist ...aufregend." "'Aufregend!'" Er ahmte ihren leichten Yorkshire-Akzent nach, so dass es bescheuert klang. Sie erlebte oft, wie reiche, verwöhnte Jungs Dialekte nachäfften, als ob sie ungewöhnlich oder seltsam wären, und nicht zum ersten Mal verspürte sie einen beruhigenden Anflug von Abneigung gegen ihn.
Dieser Wechsel der Sichtweisen machte mir vor allem in den darauffolgenden Kapiteln echte Schwierigkeiten. Denn nicht immer sind Emma und Dexter am gleichen Ort. Eigentlich in den seltensten Fällen. Aber häufig stehen sie in irgendeiner Weise in Kontakt zu einander. Zum Beispiel schreiben sie sich Briefe. Der Perspektivwechsel wird manchmal nicht sofort deutlich, vor allem eben zu Beginn des Romans, wenn man die beiden noch nicht so gut kennt. Später hebt der Autor das zum einen meistens optisch hervor und zum anderen kennt man die Sprechweise der Protagonisten, und kann das Gesagte somit schnell zu ordnen. Das hat mir zu Beginn ein wenig die Lust am Lesen genommen und ich bin nur langsam vorwärts gekommen.
Ein zweites Problem hatte ich tatsächlich mit den Zeitsprüngen. Obwohl eigentlich klar ist, dass immer der Jahrestag ihres Kennenlernens erzählt wird, habe ich doch in bestimmt 60% der Fälle zu Beginn eines Kapitels an den Anfang des anderen Kapitels zurückgeblättert, um genau das zu überprüfen. Denn manchmal wird der Jahrestag in einem Jahr aus der Perspektive von sowohl Emma als auch Dexter geschildert und das hat manchmal jeweils ein eigenes Kapitel bekommen und manchmal nicht. Da musste ich dann doch oft gucken, ob ich mich noch im gleichen Jahr befinde wie im Kapitel davor. Leichter war es, wenn die beiden sich im Kapitel getroffen haben. Dann wusste ich, dass das nächste Kapitel ein Jahr später ist. Vielleicht war das nur für mich schwierig und sicherlich hing das auch mit der ungewöhnlichen Konzeption des Romans zusammen, aber das hat mir ein flüssiges Lesen manchmal erschwert, obwohl die einzelnen Kapitel recht lang sind.

Fazit: Vorne auf dem Buchdeckel wird der Roman als eine "herrliche Liebesgeschichte" angepriesen. Das war er für mich nicht. 2/3 Drittel des Romans ist es für mich eher ein Roman einer unglaublich komplizierten und unlogischen Freundschaft. Es ist die Sorte Freundschaft, die einfach entsteht, ohne das den Beteiligten (und dem Leser) ganz klar wird, warum sie entsteht. Allerdings entstehen so ja doch die meisten und vor allem langlebigsten Freundschaften...
Der Roman ist leicht zu lesen, abgesehen von den zwei Handicaps oben, und spricht eine leicht verständliche und angenehm zeitgemäße Sprache. Das habe ich tatsächlich sehr bewundert. Vor allem in den Gesprächen fiel mir dies auf: Sie wirken natürlich und nicht roman-haft. Der Leser in unserem Alter (Anfang 20 bis Mitte 30) wird sich gut in die beiden Charaktere einfühlen können. Vor allem das Suchen nach einer Lebensaufgabe kam mir, als am Ende des Studiums stehend, doch sehr bekannt vor.
Eine Anmerkung möchte ich noch zum Schluss des Romans machen. (Keine Sorge, ich verrate nicht, wies ausgeht, falls jemand den Roman noch nicht gelesen hat!) Gleich der erste Kommentar auf der Innenseite des Buchdeckels verkündet, dass es sich bei Zwei an einem Tag um eine Geschichte ohne Happy End handelt. Stimmt. Was mich aber mehr zum Grübeln gebracht hat, war der Epilog. Im Epilog finden sich noch drei Jahrestage des Kennenlerntags, die es für mich nicht gebraucht hätte. Sie wirken zu konzipiert und symbolisch aufgeladen, was -meiner Meinung nach- nicht zum Rest des Romans passt. Auch wird der erste Kennenlerntag noch weiter erzählt, was rückblickend betrachtet der Geschichte einen ganz anderen Dreh gibt. Vor allem Dexter erschien mir schließlich in einem ganz anderen Licht. Das fand ich aber nicht besonders geschickt, denn so passten für mich seine Handlungen und sein Verhalten im Roman nicht mit dem Ende zusammen: Warum hat er sich all die Jahre so verhalten, wenn das Kennenlernen so verlaufen ist? Vielleicht wäre das interessanter gewesen, wenn man es an das erste Kapitel angefügt hätte oder man hätte es ganz weggelassen. Ich finde, der Roman hätte ruhig ohne den Epilog beendet werden können. Das hätte dem Roman zwar eine Schwere verliehen, die er bislang nicht gehabt hatte, aber die Beziehung von Emma und Dexter hätte in meinen Augen das Tragische, Komplizierte und Magische behalten, was ihr im Roman verliehen wurde. Zwar könnte man nach dem Epilog-Ende den Roman noch einmal in ganz anderem Lichte lesen, was in meinen Augen aber nur das Unverständnis gegenüber -vor allem Dexters- Verhalten verstärkt. Für mich hat das Epilog-Ende den Fokus vom eigentlich Romanschluss weggezogen, was ich sehr schade finde.

Leseempfehlung?: Wer einen Roman sucht, der als angenehme Freizeitlektüre gilt, dabei weder zu schwer noch zu nichtssagend ist, der ist hiermit sicher gut bedient! Aber es ist auf jeden Fall eher eine Frauenlektüre, obwohl einer der Charaktere ja ein Mann ist. Aber ich denke nicht, dass einem Mann die langen inneren Gedankengänge von Mann und Frau groß interessieren ;o) Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, denn er ist perfekt für (Strand-)Urlaube, kuschelige Abende vor dem Kamin oder einfach nur die süße Bettlektüre. Sprich, genau das, was ich nach einem arbeitsreichen Tag brauche!



Nachtrag: Da der Roman ja schon verfilmt wurde und eine Freundin mir eine Empfehlung dazu aussprach, werde ich in den nächsten Tag den Film zum Roman ansehen. Ich bin gespannt!

Wie hat euch das Buch gefallen?

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3 Kommentare:

Am/um 8. November 2011 um 18:09 , Blogger christerl meinte...

Ich hab deine Review jetzt nicht gelesen, weil ich das Buch gerade selbst im englischen Original lese und noch warten möchte, bis ich fertig bin. Dann werde ich deine Review lesen und meinen Senf dazu geben :))

http://bellezzalibri.blogspot.com/

 
Am/um 8. November 2011 um 20:03 , Blogger Eule meinte...

Dann beeil dich, ich bin sehr gespannt!! ;o)
Aber ich bemühe mich, bei den Reviews nie zuviel zu verraten, für den Fall, dass jemand es noch leist oder noch lesen möchte...

 
Am/um 6. April 2012 um 11:23 , Blogger Ramona meinte...

Ich bin gerade im Endspurt beim Buch.
Es ist ein Buch, dass mich noch bewegt, wenn ich es gerade nicht in der Hand halte. Ich denke ständig über diese Geschichte nach und warte sehnsüchtig darauf, wieder die Zeit zum lesen zu haben.
Ich bin begeistert von dem Buch.
Gestern ist dann zufällig noch die entsprechende DVD in meinen Einkaufskorb "gefallen". :D

 

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