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[Montagsfrage] Aus Prinzip

Eulenpost(s): [Montagsfrage] Aus Prinzip

Dienstag, 11. März 2014

[Montagsfrage] Aus Prinzip

Nina hat dieses Mal eine Frage gestellt zu der ich gerne etwas ausholen möchte. Wer Interesse an meiner Antwort hat, liest also weiter. Die anderen sehe ich wann anders wieder…

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Gibt es ein Buch, dass du aus Prinzip (noch) nicht gelesen hast?

Mit dem Prinzip ist das so eine Sache. Ich bin tatsächlich ein Mensch, der sehr gerne Regeln befolgt, das Gesetz einhält und ansonsten nicht gerne auffällt, weil er aus dem Rahmen fällt. Das hat bei mir etwas mit dem Gefühl von Sicherheit, Gewohnheiten und Vertrautheit zu tun. Etwas, das ich für mich brauche, um mich wohl zu fühlen. In diesem Falle kann ich durchaus sagen, dass ich aus Prinzip keine Drogen nehme, nicht über Rot fahre, die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht überschreite oder Fristen einhalte. Das mag für manche langweilig sein, aber ich will das so.

Anders verhält es sich mit Dingen, die nicht unbedingt an Gesetzmäßigkeiten oder Regeln gebunden sind, sondern sich eher aus der Gesellschaft heraus ergeben: Mode, Kultur (Musik, Bücher, Filme) oder auch Essgewohnheiten (Diäten zum Beispiel) und Meinungen über etwas. Da ist mein Prinzip ein anderes. Ich bin von meinen Eltern als sehr kritischer Mensch erzogen worden. Wir hinterfragen und diskutieren alles. Ich gebe zu, in der Pubertät war das nicht immer ein Spaß. Aber wenn ich etwas Bestimmtes haben wollte oder meine Meinung zu einem Thema wie fest gefahren schien, dann haben meine Eltern immer Fragen gestellt: Warum willst du das haben? Brauchst du das wirklich? Gibt es nicht etwas anderes, dass es eben so gut kann? Wieso bist du der Meinung? Ist das wirklich deine oder hast du die irgendwo aufgeschnappt?
Meine Eltern wollten mir nicht irgendetwas vorenthalten oder misstrauten mir. Im Gegenteil, mir fehlte es an nichts. Aber so begann ich die Dinge zu hinterfragen: Warum tragen alle Buffalos oder einen Eastpack? Warum sind sie Fan der Boyband? Und so weiter… Das führte zum Beispiel dazu, dass ich Chucks trug, als alle Buffalos hatten. Oder ich Leggings anzog, als das noch uncool war. Ich machte das nicht, weil ich der Meinung war, einen Trend vorhersehen zu können, sondern einfach weil es für mich praktisch und bequem war. Optisch war ich damit ein ziemlicher Außenseiter. Kulturell interessierte ich mich auch für völlig andere Sachen als die meisten meiner Freunde. Denn, wenn ich hinterfragte, warum sie das tun, tja, dann kam häufig heiße Luft. Kein Grund für mich, mit zu schwimmen, weil alle schwimmen.

Zu den Büchern. Ihr kennt es sicher alle, die häufig Buchblogs lesen. In schöner Regelmäßigkeit gibt es eine kleine Zahl Bücher, die die Runde machen und die zudem durch die Bank vor allem positiv bewertet werden. Manchmal sogar sehr positiv. Das sind die so genannten Hypes, mal ganz vereinfacht gesprochen. Taucht so etwas auf, dann lese ich das Buch erst einmal aus Prinzip nicht. Ja, tatsächlich. Denn in mir startet das, was ich weiter oben beschrieben habe: ich fange erst einmal an, Fakten zu sammeln und zu hinterfragen: worum geht es da, wer hat das geschrieben, warum finden die Leute das gut? Vor allem die Gründe, warum ein Buch so positiv bewertet wird, sind sehr interessant. Und haltet mich für zynisch oder nicht: meistens sind die Gründe sehr dünn. Und das überzeugt mich natürlich nicht. Daher warte ich aus Prinzip einige Wochen. Denn sollte mich der Inhalt vielleicht doch ein wenig interessieren (thematisch weiche ich auch gerne mal von meinen Gewohnheiten ab, um etwas Neues auszuprobieren), dann hätte ich gerne noch etwas kritischere Meinungen… Die kritischen Meinungen kommen aber meist erst viel später. Warum, da stelle ich hier jetzt mal keine Thesen auf. Auf jeden Fall finde ich es faszinierend, so etwas zu beobachten.

Zusammengefasst: ja, es gibt Bücher, die ich aus Prinzip nicht lese. Es sind zum Beispiel die gehypten Bücher. Die wecken einfach meine Skepsis und in den meisten Fällen fühle ich mich bestätigt, dass es wirklich ein Hype ist und nicht zwangsläufig ein Evergreen. Und es gibt Bücher, die ich aus Prinzip nicht lese, weil meine Erfahrung mir sagt, dass ich mich damit schwer tue: High Fantasy und historische Romane zum Beispiel. Auch richtiges Science Fiction gehört dazu. Das sind Genres, bei denen mein Lesegenuss ziemlich schnell abhanden kommt. High Fantasy: weil ich mit vollkommen erdachten Welten meine Schwierigkeiten habe. Es ist entspricht häufig nicht meiner Fantasie. Historische Romane: weil mich die Vergangenheit, so grausam es klingt, nicht so sehr fasziniert. Science Fiction: Wissenschaft ist zu kompliziert für mich, ich bin mehr der geistige Typ. Daher wären die Technik, Biologie und Physik für mich schwer zu verstehen.

Haltet ihr mich jetzt für engstirnig? Was sind eure Prinzipien?

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7 Kommentare:

Am/um 11. März 2014 um 19:27 , Anonymous Nina meinte...

Ich halte dich nicht für engstirnig und verstehe dich in vielen Punkten sehr gut. Ich finde erschreckend, wie wenige Leute überhaupt kritisch lesen.

Aber... "Ich fange erst einmal an, Fakten zu sammeln und zu hinterfragen: worum geht es da, wer hat das geschrieben, warum finden die Leute das gut? Vor allem die Gründe, warum ein Buch so positiv bewertet wird, sind sehr interessant." Wie geht das, wenn du das Buch nicht liest? Das verstehe ich nicht. Und was wäre so schlimm daran, wenn deine Rezension die erste kritische wäre? Ich würde das super finden. Ich stehe mit meiner Kritik nämlich auch meist alleine da. ;-)

 
Am/um 11. März 2014 um 20:20 , Blogger Olivia Plep meinte...

Hi, hört sich an, als hättest Du meine Eltern gehabt ;-) Bei uns lief es ähnlich ab, es wurde auch sehr viel diskutiert, um auch andere Sichtweisen zu verstehen.
Mit den gehypten Büchern geht es mir wirklich ähnlich wie Dir. Nur beginne ich sie meist dann zu lesen, wenn der Hype schon vorbei ist und betrachte diese Bücher dann mit meinen eigenen Augen - eher ein wenig kritisch eingestellt, da ich bewusst versuche, die Dinge aus der Distanz zu sehen. Hoffe, Du verstehst, was ich meine? Schwierig…. Ich untersuche dann eher akribisch, ob denn der ganze Rummel ums Buch auch wirklich seine Daseinsberechtigung hat - so hat es das Buch erst einmal sehr schwer bei mir!!! Aber ganz oft bin ich dann auch überzeugt, und das freut mich dann, weil ich das Gefühl habe, mir wieder meine eigene Meinung gebildet zu haben - unabhängig von der Meinung der anderen!

So, jetzt ist der Kommentar fast so lang wie Dein Post geworden :-)
Nice Evening, werde jetzt erstmal intensiver bei Dir stöbern!
LG
Olivia

 
Am/um 11. März 2014 um 20:22 , Blogger Melissa meinte...

Durch Recherche: Leseproben, Rezensionen, Klappentexte. Da kann man sich ein erstaunlich gutes Bild machen. Und das mache ich ja meist "nur", wenn ich mir noch nicht sicher bin, ob das Buch etwas für mcih sein könnte. Interessiert es mich eh schon, lese ich es. Wenn nicht, dann brauche ich auch nicht zu recherchieren. Außer mich packt die Neugierde auf die Hintergründe zu Lobhudelei... ist so eine Macke ;o)

 
Am/um 11. März 2014 um 20:24 , Blogger Svenja meinte...

Ich kann dir da in vielen Punkten zustimmen! Ich war auch immer etwas abseits von der Norm und teils der Außenseiter. War nicht immer leicht, aber im Nachhinein weiß ich, es war besser so, weil ich nun niemand bin, der etwas macht, nur weil es alle machen und mich nicht scheue mal gegen den Strom zu schwimmen, wenn das nach meinem Empfinden der richtige Weg ist.

Bücher, die von allen plötzlich in den Himmel gelobt und gehyped werden - ohne eine Fünkchen Kritik - wecken ehrlich gesagt mein Misstrauen. Erstmal halte ich mich also, ähnlich wie du, fern von solchen Büchern und lese sie aus Prinzip nicht. Später ändert sich das vielleicht noch, aber nicht immer. ;)

 
Am/um 12. März 2014 um 13:40 , Blogger Tintenhexe meinte...

Verstehe ich.. ich bin solchen Büchern gegenüber auch misstrauisch, habe noch nie Twilight gelesen.. klar gibt es einfach tolle Bücher, die jeder mag.. aber wegen dem sollte man sich immer noch selber eine Meinung bilden!

 
Am/um 13. März 2014 um 21:53 , Anonymous RoM meinte...

Salut, Melissa.
Trends zu hinterfragen, auf die Substanz abzuklopfen ist eine gute Einstellung. Hält die Sinne fokkusiert.

Als Fan des Genres...
Science Fiction hat sich nicht ausschließlich mit futuristischer Technik/Wissenschaft beschäftigt. Es ging und geht auch um die Aspekte menschlichen Seins. Was geschieht in Menschen, denen durch Drogen jedwede Gefühlsregung genommen ist? Wann driftet Unsterblichkeit in den sicheren Wahnsinn? Ist mein Leben lediglich eine Simulation? Ist der menschliche Wille zur Kunst bereits Keimzelle einer Revolte gegen den Totalitarismus? Wie definiert sich der Mensch, wenn ein Android selbst schöpferisch wird?
Ich denke, interessante Aspekte eines Genres.
Gut, die reine Hard-SF all der "berufenen" Physiker weiß auch mich zu langweilen. Ordentlich!

bonté

 
Am/um 14. März 2014 um 11:29 , Blogger Julia meinte...

Das klingt doch nach einer sehr gesunden Einstellung! Ich musste gerade doch ein wenig lächeln als ich das mit den Leggings gelesen habe. Das ging mir damals auch so! Bei Kleidung hatte ich schon als Kind meine Prinzipien. Dafür trage ich heute aus Prinzip keine Leggings mehr. ;-)
Bei Büchern versuche ich eigentlich keine zu haben. Ich lese auch gehypte Bücher. Nicht unbedingt weil es gerade so beliebt ist, sondern weil ich es vielleicht gerade ausgeliehen bekommen könnte oder weil mich etwas anderes reizt das Buch zu lesen. Hype hin oder her, dann lese ich das auch!

 

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