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[Friday Classics] Buddenbrooks

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Freitag, 4. Mai 2012

[Friday Classics] Buddenbrooks

Heute ist es wieder soweit. Es ist der erste Freitag im Wonnemonat Mai, und deswegen stelle euch den nächsten Klassiker vor. Für meine neuen Leser und alle, die nochmal nachlesen wollten, wie es dazu kam, gibt es hier eine kleine Zusammenfassung. Heute geht es um Thomas Manns Buddenbrooks. In der Klassiker-Liste von Marcel Reich-Ranicki ist auch noch ein weiterer Roman von Thomas Mann, nämlich Der Zauberberg, angeführt. Den habe ich euch bereits hier vorgestellt.
Nun aber zu den Buddenbrooks. Vorweg muss ich sagen, dass ich den fast 800 Seiten starken Schinken (noch) nicht fertig gelesen habe. Das liegt zum einen am Roman selbst und zum anderen daran, dass ich ja gerade zum letzten Mal in meinem Leben (diese Übertreibung muss sein!) richtig viel lernen muss. Ich hab jetzt etwa ein Drittel geschafft, würde ich sagen. Aber ich denke, dass es reicht, um einen ersten Eindruck zum Roman schildern zu können.


Zum Autor: Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren.Seine Jugend ist ziemlich unspektakulär, bezeichnete er diese doch selbst als stumpfsinnig. Besonders die Schule schien ihn nicht sehr zu interessieren, so dass er schon früh mit dem Schreiben begann. Die schnellen Erfolge führten dazu, dass er seinen eigentlichen Beruf als Versicherungsvertreter aufgab und an der Technischen Hochschule München Vorlseungen besuchte. Nun wollte er Journalist werden. Er schrieb bei unterschiedlichen Zeitungen mit, veröffentlichte 1901 seinen ersten Roman Buddenbrooks. 1904 lernte er seine spätere Frau Katharine Pringsheim kennen, und entschied sich damit, seine Homosexualität, die in Briefen und Tagebüchern anklingt, nicht auszuleben. Mit dem Aufstieg der NSDAP gehörte Mann zu jenen, die öffentlich gegen die Nationalsozialisten Stellung nahmen. Bald entschloss er sich aber ins Exil zu gehen, zunächst nach Frankreich. Später wanderte er nach Amerika aus, um später in der Schweiz seinen Lebensabend zu verbringen. Er starb am 12. August 1955 in Zürich.
Für Thomas Mann ist es sehr typisch, dass er viele autobiografische Erfahrungen in Romane und Erzählungen einbaute oder verarbeitete.

Zur Entstehung der Buddenbrooks: Thomas Mann begann 1896 mit seinem ersten Roman. Es sollte eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen werden. 1900 reichte Mann das Manuskript schließlich bei seinem Verleger ein. Dieser wollte es erst um die Hälfte kürzen, wogegen sich der Autor aber wehrte.

 Rezeption: Thomas Mann schrieb einmal, dass der Roman erst ein Jahr nach seiner Veröffentlichung wirklich Aufmerksamkeit bekam. Die Familienchronik wurde grundsätzlich sehr positiv aufgenommen und galt in Lübeck sogar als Schlpüsselroman. Lediglich die Herrschaften, die sich im Roman porträtiert sahen, waren nicht begeistert. Aber bis ins hohe Alter bekam Thomas Mann noch zu Lebzeiten immer wieder Komplimente für seinen Erstlingsroman.

Klassiker?  Buddenbrooks ist zugleich eine Familienchronik und eine Skizze der bürgerlich, gehobenen Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. So finden sich im Roman auch immer wieder detaillierte Ausschweifungen zum Stadtleben, zur Politik und zur Wirtschaft. Die Familienchronik beginnt bei den Großeltern und zieht sich dann über die nachfolgenden drei Generationen hinweg. Hinzukommen Verwandte, Freunde und Geschäftsleute. Das ist ein sehr großes Feld, das Thomas Mann da aufstellt. So hatte ich dann auch vor allem innerhalb der Familie bald Probleme, die jeweiligen Personen richtig zu zuordnen. Zwar wird jeder Charakter ordentlich eingeführt, taucht er jedoch nach 50 Seiten noch einmal auf, bekommt der Leser kaum noch eine Hilfestellung zur Erinnerung an den Charakter.
Typisch für Thomas Mann ist die dicht geballte Poetik. Das heißt, dass in wenigen Sätzen viel beschrieben und erzählt wird. Die einzelnen Sätze sind zeiweise auch sehr lang und verschachtelt. So kann ich seinen damaligen Verleger durchaus verstehen, dass er das Manuskript um die Hälfte kürzen wollte... Ich habe auch tatsächlich rund 100 Seiten gebraucht, bis ich Fuß in der Geschichte gefasst habe und mich mit den vielen Protagonisten arrangiert habe. Man muss sich wirklich darauf einstellen, dass es eine Familiengeschichte ist und der Autor demnach von einer Person zur Nächsten springt und deren Leben aus der Nahaufnahme erzählt, um im Anschluss zur nächsten Figur überzugehen und die vorangegangene dann nur noch Nebenfigur ist.
Der Sprachstil ist auch sehr Mann-isch. Hat man sich eingelesen, ist sie wirklich gut zu lesen, aber man braucht ein wenig Zeit, bis man sich mit den für die heutige Zeit ungewöhnlichen Satzstellungen und der nicht mehr gängigen Wortwahl vertraut gemacht hat. Dies fällt vor allem in der wörtlichen Rede auf. Ich bin immer wieder erstaunt, wie die Herrschaften im 19. Jahrhundert geredet haben.
Ist der Roman nun ein Klassiker, den man gelesen haben muss? Das ist grundsätzlich schon mal schwer zu beantworten, da Thomas Mann immer die Gemüter spaltet: die einen lieben ihnen, die anderen hassen ihn. Ich liebe ihn zwar nicht, bin jedoch von seiner Persönlichkeit sehr fasziniert. Das liegt aber hauptsächlich an meinem literaturwissenschaftlichen Hintergrund. Für einen 'Laien' ist Thomas Mann defintiv keine leichte Kost. Wer aber ein wirklich umfassendes Bild vom Bürgertum des 19. Jahrhunderts haben möchte, akzentuiert anhand einer Familienchronik, der ist mit den Buddenbrooks sehr gut beraten. Hat man sich nämlich einmal in die Geschichte eingelesen, wird sie streckenweise sogar interessant und spannend. Es ist aber defintiv kein Roman, den man -meiner Meinung nach- gelesen haben muss. Dafür gibt es sicherlich andere Literatur, die leichter bekömmlich ist und dennoch ein gutes Zeitbild abgibt. Ich denke da zum Beispiel an Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel. Zudem denke ich, dass es andere Romane und Erzählungen von Thomas Mann gibt, die besser geeignet sind, um sich mit diesem Autor vertraut zu machen.

Ich würde daher sagen, dass Buddenbrooks ein Klassiker ist, von dem man gehört haben sollte, ihn aber nicht zwingend gelesen haben muss. Es ist ein wirklich großer und wichtiger Roman in der deutschen Literaturgeschichte und ein bedeutendes Werk in Thomas Manns Wirken. Aus der Perspektive ist eine Kenntnis über den Roman wirklich wichtig. Alles andere ist Ermessenssache. Aber ich kann nachvollziehen, warum Marcel Reich-Ranicki den Roman in seine Deutschen Klassiker aufgenommen hat und würde dies selbst auch tun.

Habt ihr die Buddenbrooks schon einmal gelesen oder irgendetwas anderes von Thomas Mann?

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4 Kommentare:

Am/um 4. Mai 2012 um 18:47 , Blogger christerl meinte...

Ja, ich habe mich durch den Roman gekämpft. Besonders die erste Hälfte war für mich sehr mühsam und ich habe eine gefühlte Ewigkeit gebraucht! Die zweite Hälfte ging dann leichter, wie du schon sehr richtig sagst, muss man sich etwas an den Schreibstil gewöhnen.
Aber auch ich finde, dass man dieses Buch nicht unbedingt gelesen haben muss.

 
Am/um 6. Mai 2012 um 01:48 , Anonymous Tanja meinte...

Sehe gerade, dass du "Der Duft von Erde und Zitronen" liest. Bis jetzt bin ich ungefähr bei der Mitte angelangt. Gefällt es dir genauso gut?

Liebe Grüße,
Tanja

 
Am/um 6. Mai 2012 um 10:20 , Blogger Melissa meinte...

Ja, bisher gefällt es mir wirklich gut! Hatte mich sehr gefreut, als ich es über vorablesen bekam!!

 
Am/um 6. Mai 2012 um 19:43 , Anonymous MissBee meinte...

Ich stecke irgendwie auch immnernoch in der ersten Hälfte der "Buddenbrooks" fest. Ich hab es mal vor langer Zeit angefangen, musste es dann wegen meinem Studium unterbrechen und seither liegt es auf meinem SUB rum. :-/

 

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