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[Gelesen] M.L. Stedman–Das Licht zwischen den Meeren

Eulenpost(s): [Gelesen] M.L. Stedman–Das Licht zwischen den Meeren

Freitag, 20. September 2013

[Gelesen] M.L. Stedman–Das Licht zwischen den Meeren

Bei bibliophilin gibt es nicht nur schöne Rezensionen zu lesen, sondern manchmal verteilt sie auch Rezensionsexemplare. Für das folgende Buch habe ich mich gerne gemeldet, denn es klang sehr interessant.
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Verlag: Limes Verlag
Seiten: 444
Preis: ca. 20 Euro
Genre/Thema: Drama, Verlust, Familie, Liebe


INHALT Mitte der 1920er Jahren arbeitet Tom als Leuchtturmwärter auf einer kleines Insel vor der Küste Australiens. Er und seine Frau Isabel sind eigentlich sehr glücklich, bis auf die Tatsache, dass sie kein Kind bekommen. Eines Tages wird ein Ruderboot angespült, darin ein toter Mann und ein lebendes Baby. Sie beschließen das Kind bei sich zu behalten, ohne den Vorfall zu melden. Und schon bald gibt es zumindest für Isabel keinen Unterschied mehr, ob die kleine Lucy ihr eigenes Kind ist oder nicht. Doch diese Entscheidung wird sie noch Jahre später wieder einholen und nicht nur ein Leben zerstören…
MEINE ERWARTUNGEN Auf dem Buchrücken steht etwas ähnliches, wie ich es im Inhalt geschildert habe. Es sprach mich sofort an, da es melancholisch, geheimnisvoll und sehr berührend klang. Irgendwie assoziierte ich damit einen schönen Sommerroman.
MEINE EINDRÜCKE Das Buch ist wirklich mit sehr viel Liebe und Sorgfalt gestaltet worden. Das Motiv des Leuchtturms taucht auch zwischen den Seiten immer wieder auf. So ließ ich mich gerne in die Geschichte davon tragen.
Auch die ersten Seiten entführen den Leser sehr sanft in die Geschichte. Es beginnt sogleich mit einer melancholischen, dramatischen Szene. Sie wirft Fragen auf und macht neugierig. Auffällig ist auch der ausführliche, fast träumerische Schreibstil. Er passt gut zur Geschichte. Die Autorin nimmt sich damit die Zeit, den Leser einzuführen.
Doch letztendlich nimmt sie sich zu viel Zeit.
Das Buch ist in drei große Teile eingeteilt: vor dem Babyfund, während und “mit” dem Baby und es gibt ein Danach oder Später. Diese Einteilung klingt aber dramatischer als sie wirklich ist. Die Autorin beschreibt die Szenen sehr schön, so dass man sich die Welt, in der Tom und Isabel leben, wunderbar vorstellen kann. Und M.L. Stedman beschäftigt sich intensiv mit den Gefühlen der einzelnen Protagonisten. Dazu springt sie auch zwischen den Perspektiven, aber immer so, dass es nachvollziehbar bleibt. Durch diese Innensicht geht aber treibende Handlung verloren. Die angedeutete Dramatik, das Baby zu behalten, was später Menschenleben zerstört, verliert sich und findet sich eigentlich so richtig erst im dritten Teil wieder. Und selbst da verliert sich die Autorin immer wieder in der Darstellung der Gefühlswelt der vielen Personen.
Es ist also weniger ein Drama mit packender Handlung, sondern vielmehr eine Psycho-Studie oder gar Gesellschaftsstudie. Weniger wissenschaftlich, als mehr emotional. Dabei geht sie intensiv auf die verschiedenen Charaktere ein. Und dennoch ist mir am Ende, bis auf Toms Handlungen, die Motivation von Isabel zum Beispiel nicht wirklich klar geworden.
Tom ist ein starker Charakter, in jeder Hinsicht. Er hat feste Wert- und Moralvorstellungen und eine schwere Vergangenheit. Beides versucht er in Einklang zu bringen und kommt damit auch gut zurecht, bis Isabel ihn bittet, den Babyfund nicht zu melden und das Kind als ihres auszugeben. Von da an hadert er im Inneren, aber seine Motivation für bestimmte Entscheidungen ist immer nachvollziehbar, wenn auch manchmal schockierend. Seine Handlungen sind das eigentliche Drama.
Isabel dagegen ist von Anfang unklarer gezeichnet. Sie wirkt noch wie ein Kind, wenn sie heiratet, ungebärdig und unreif. Ihre Entscheidung, das Kind zu behalten, ist noch verständlich, aber besonders ihr Verhalten im dritten Teil des Buches war für mich manchmal schwer verdaulich bis nicht nachvollziehbar.
Die übrigen Figuren bekommen zwar auch eigene Gedanken, die wichtig und interessant sind, allerdings mehr für eine Gesellschaftsschau geeignet sind, denn für einen Roman. So bleiben die Charakterzeichnungen nämlich zum Teil mittendrin unvollendet und es könnten Fragen seitens des Lesers offen bleiben. Da hätte man ruhig, die ein oder andere Szene streichen können.
FAZIT Es ist nicht das, was ich erwartet hatte. Die Handlung gerät stark in den Hintergrund, die Gefühle und Gedanken der Figuren sind dagegen im Mittelpunkt. Das kann berührend und fesselnd sein, mich hat es besonders in der zweiten Hälfte mehrmals ungeduldig gemacht. Diese Ausführlichkeit geht zu Lasten der Spannung, so dass ich manchmal ganze Absätze nur noch überflogen habe.
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1 Kommentare:

Am/um 20. September 2013 um 17:29 , Blogger Hanne von BookLounge meinte...

Nun habe ich doch eine Rezension von dem Buch gelesen, welches auf meiner WuLi steht.
Mal schaun, was ich mache, denn normalerweise passen deine Rezis zu meinem Geschmack.
Und danke für den Tipp mit http://www.bibliophilin.de/
ich habe nämlich auch noch beide Bücher aus dem Ü-Paket von Fischer, wo ich die ersten beiden Bände gar nicht von gelesen habe...
Liebe Grüße Hanne

 

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